• Selina Peter

Das «WWpp»: Was geht im Warteck? 2/3

Nachdem Jelïn und ich im ersten Teil dieser Reihe über das Konzept des WWpp berichteten und einige Eindrücke dieses Vereins aufgesammelt haben, wenden wir uns nun im Teil zwei den Bewohnerinnen und Bewohnern zu. Bei unserem ersten Besuch ist uns aufgefallen, dass es Probleme bei der Umsetzung der Prinzipien zu geben scheint. Wie sieht der Alltag im Warteck wirklich aus und wie hat sich der erstrebte Austausch in den letzten 25 Jahren entwickelt?

Wir haben uns mit einigen der Bewohner*innen unterhalten, denn wer weiss besser wie es mit der Umsetzung des «zusammen arbeiten, zusammen leben» aussieht, als die Leute die tagtäglich im Warteck ein und ausgehen?


©Jelïn Nichele


Wir treffen auf Sandra. Sie betreibt die Modellbauwerkstatt im Kesselhaus und baut dort seit 2003 Architekturmodelle aus Karton, Holz und Kunststoff. Beworben hatte sie sich dazumal ohne zu wissen, dass hinter dem WWpp ein Verein mit basisdemokratischem System steckt, schätzt es jedoch sehr die Möglichkeit zu haben mitbestimmen zu können. Was den Austausch und das Zusammenleben betrifft, sieht sie die Verantwortung bei den Leuten selbst.


«Es liegt an einem selbst, ob der Kontakt mit anderen stattfindet. Wenn man nicht selbst aktiv nach draussen geht und ihn sucht, wird man in seinem Raum in Ruhe gelassen und kann einfach für sich arbeiten. Aber sobald man raus geht und auf Andere zugeht, kommt es sofort zu einem Austausch.»


Vor ein paar Jahren sei das noch anders gewesen. Damals wurde ihrer Meinung nach, mehr darauf geachtet, dass die Bewohner*innen häufiger zusammenkommen. «Wenn man wirklich will, findet man Wege zueinander und Gespräche oder Zusammenarbeiten entstehen. Ich bin aber zufrieden mit der jetzigen Situation. Sie bringt mich dazu aktiv den Kontakt zu suchen und einen Aufwand zu betreiben.»


©Jelïn Nichele


Auch Marcel vom Druckwerk macht sich seine Gedanken zum Austausch im Haus. Aus den Gesprächen hören wir heraus, dass ein solches Konzept viel Konfliktpotenzial mit sich bringen kann. Verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Sparten unter einem Dach, bedeuten auch viele verschiedene Bedürfnisse und Meinungen. «All diese Meinungen müssen respektiert werden, das gehört dazu.», sagt Marcel. «Leider kriegt man diese Meinungen immer seltener mit, denn entweder sind die Leute da und arbeiten hinter verschlossenen Türen, oder die Türen sind verschlossen, weil die Leute nicht da sind», fügt Fabian, der sich bei diesem Gespräch dazu gesellt hat, hinzu. Marcel nickt, er weiss wovon Fabian spricht:


«Ich muss zugeben, auch mir fehlt die Energie zur Zeit, mich aktiv um soziale Kontakte zu kümmern. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste», sagt er lachend.


©Jelïn Nichele


Zeit und Energie fehlt auch Bruno. Er gründete 1997 zusammen mit Peter Oechslin die Cantina Don-Camillo im 2. Stock des WWpp. Neben seiner Arbeit für das Restaurant und der Familie bleibt nicht viel Zeit für anderes. «Ich finde das Zusammensein eine gute Grundsatz-Philosophie des Hauses. Für mich selber funktioniert es nicht ganz, schon nur aufgrund meiner Arbeitszeiten und der Intensität des Gastro-Berufes in Kombination mit Familie. Ich weiss nicht wie es bei den anderen hier im Haus aussieht, dafür kenne ich ihre Arbeit zu wenig. Aber ich finde es immer schön, wenn sie im Restaurant vorbeikommen und ich mich bei Gelegenheit kurz mit ihnen unterhalten kann.»


Auf unserem Weg nach draussen schauen wir noch beim Figurentheater Felucca vorbei, wo Véronique gerade Kisten für ihre nächste Vorstellung zusammenpackt. Trotzdem nimmt sie sich einen Moment Zeit für uns. Véronique ist schon seit 1993, also noch vor der Gründung des Vereins WWpp, mit ihrem Figurentheater im Warteck zuhause.


©Jelïn Nichele


«Es ist toll mitbestimmen zu dürfen, aber es kann auch extrem mühsam sein. Man muss viel Geduld mit sich bringen und sich auch ab und zu die Hände schmutzig machen und selbst aufräumen, wenn man sieht, das zum Beispiel das Klo dreckig ist. Und vieles dauert hier einfach länger durch unsere Basisdemokratie. Wir vergessen manchmal auch, dass jeder einzelne Raum hier ein eigener kleiner Kosmos ist, in welchem tagtäglich Dinge passieren. Da bleibt vielen einfach keine Zeit mehr sich auch sonst noch einzubringen. Es hat sich vieles verändert in den letzten Jahren.»


Da das WWpp sich selbst verwaltet, liegen auch alle Kosten und die hauswirtschaftlichen Pflichten beim Verein. Viele der Untermieter*innen wissen das gar nicht und man stösst im Haus auf Unverständnis anderer Mieter*innen gegenüber. Die meisten Lärmbeschwerden zum Beispiel kommen aus den eigenen Reihen.

Es scheint, als hätte sich das Warteck in den letzten Jahren in eine unbefriedigende Richtung entwickelt. Es wirkt verschlafen und ruhiger als früher. Die meisten der Bewohner*innen sind schon viele Jahre dabei und das Warteck ergraut langsam. Die Euphorie der Anfangsjahre ist verflogen. Viele scheinen sehr auf ihre Arbeit fixiert zu sein und dabei die weiteren Aspekte dieser Räumlichkeiten zu vergessen.

Nach den Gesprächen wurde uns klar, wie unterschiedlich die Meinungen im Haus teilweise sind. Etwas das jedoch herausstach war, dass sich alle Veränderungen wünschen. Das WWpp braucht frischen Wind. Auf welche Weise man diesen in das Haus hineinbringen kann und was sich die Bewohner*innen für die Zukunft wünschen, erfahrt ihr am 4. März im dritten und letzten Teil dieser Beitragsreihe.

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