Die anarchistische, bürgerliche Fasnacht

Ein Mann kam mir auf dem Velo entgegen und machte eine Geste mit der Faust um mir zu sagen «Jawoll, auch du bist heute aufgestanden». Ich war auf dem Weg zum NichtMorgastraich. Die Veloständer waren gut gefüllt, das gab mir die Gewissheit, dass ich nicht alleine sein werde. Die Leute kamen von verschiedenen Seiten her und viele von ihnen versammelten sich auf dem Marktplatz. Einige kostümiert, einige zivil, die Polizei war da, einige kotzten in irgendeine Ecke. Eigentlich alles wie immer. Bis es vier Uhr schlug, denn die Lichter blieben an. Trotzdem fingen die Menschen an zu jubeln und sangen in Lalala oder Düdüdü die Fasnachtsmärsche.

©Dominik Asche


Ich machte mich auf den Weg den Spalenberg hinauf. Eine Miniclique von vier Personen mit Piccolos kam mir entgegen, welcher ich folgte. Ich drehte eine Runde zwischen dem "Noodlebärg", "Spaalebärg" und dem Marktplatz. Die Stimmung: komisch. Dennoch war es irgendwie toll, an einem solch historischen Anlass dabei sein zu können. An der "NichtFasnacht 2020".


Ich hörte eine weitere Clique. Diesmal mit Pfeiffern und Trommlern. Zu finden waren sie inmitten einer Menschenmenge in der Münzgasse. Gemeinsam zogen sie durch die Gassen bis hin zur RioBar, im Schlepptau eine Menschenmenge, die zu diesem Zeitpunkt gerade «ihre Fasnacht 2020» genoss. Wie auch ich. Vor der RioBar nahmen die Pfeiffer und Trommler die Larven ab und jubelten. Das Bier gab es nur in Dosen und auf die Ziibeleweihe musste man auch noch warten, bis die Restaurants öffneten.


Auf meinem Heimweg hörte ich einen Vogel zwitschern. Es waren genau die gleichen Töne wie ich sie zuvor von den Piccolos gehört habe, nur in anderen Melodien. Es klang nach Frühling und ich wusste, dass dieses Jahr der Winter auch ohne Fasnacht verschwinden würde.


©Dominik Asche


Zu dem gibt es ein wenig Videomaterial noch ganz frisch in meiner Instagramstory und sonst abgelegt in folgendem Story Highlight.

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