• Leonne Voegelin

Post aus Berlin : eine Hommage an den Falafel




Wenn es eine Beschäftigung gibt, die täglich und weltweit gleichermassen ihren festen Platz im Alltag findet, dann ist es essen. Die einen sehen es als notwendiges Übel an, die anderen als grossartigen Höhepunkt des Tages; aber jeder lässt täglich die Gedanken um den Speiseplan kreisen und hofft sich einen anmächeligen Teller zubereiten zu können - alleine, zu zweit oder in einer Gruppe. Im besten Fall setzt man sich hin und geniesst.

Und wenn die Lust nach kochen nicht gross ist, dann ist es schön, wenn  man Berlin vor seiner Türe hat. Hier is(s)t man im Paradies der kulinarischen Diversität: Eine Menge länderübergreifende Geschmackswelten treffen auf viele Menschen, die gemeinsam essen und dabei ihr tägliches Sozialleben abrunden.


Die Art-und-Weise, die Häufigkeit und die Möglichkeiten, die unserer Gesellschaft geboten werden ausser Haus essen zu gehen, gestalten den öffentlichen Raum mit und prägen in Berlin ein soziales und lebendiges Stadtbild. Nie sind die Strassen verlassen. Diese Wahrnehmung bestimmt den Raum, gibt ihm eine Dynamik und wird so zum Lebensgefühl einer Stadt.

Dieser Umstand ändert die Beziehung vom Mensch zum urbanen, kommunalen Raum. Er wird Teil vom jeweils anderen. Die Menschen bewohnen ihn. Dies ist auch in der Organisation und der Beziehung der Gebäude zum Strassenraum zu spüren. Strassen schlängeln sich in die Gebäude hinein und bilden eine Pufferzone, einen semi-transparenten Raum. Diese erschliessen Hinterhöfe, kleine Gärten, sowie die Treppenhäuser zu Wohnungen.

All diese Umstände, die sich hier abzeichnen prägen die Gewohnheiten der Menschen und ihr Verhältnis zum essen gehen. Es ist Teil des Alltag und hat sich der Exklusivität entledigt, die ein Restaurantbesuch in der Schweiz gewöhnlich mit sich bringt. Man braucht keinen Anlass, keine Entschuldigung, keinen Geburtstag - Hunger und Lust sind Grund genug.

Einen offensichtlichen Hauptgrund, weshalb in Berlin mehr auswärts gegessen wird, darf nicht ausser Acht gelassen werden: Es ist nicht die Bereitschaft der Leute sich ausser Haus zu bewegen, oder die ausserordentlich freundliche Bedienung und auch nicht das reichhaltige Angebot - wobei in Berlin unbestritten eine unschlagbare Vielfalt an Spezialitäten den Gaumen stimulieren. Nein, Tatsache ist, dass es letzten Endes gleich teuer ist, wenn nicht preiswerter, sich in einem schönen Lokal bekochen zu lassen, als sich zu Hause selber zu bekochen.


Mein kulinarisches Herz und in erster Linie mein Magen entflammen im Wirrwarr orientalischer Gerichte. Vor allem für Falafel. Eine orientalische Spezialität, die mir zu Hause nie gelingen will. Viele kennen es, populär und in aller Munde: Eine etwa fünf Zentimeter grosse, gelb-braune Kugel, die aussen knusprig gebacken wird und innen saftig, leicht nussig schmeckt. Man begegnet ihren Schöpfern in den arabischen Kochbüchern. Von Palästina über Damaskus, Ägypten bis Israel gehören Falafel auf den Speiseplan. In Berlin, vor allem in den mir gut bekannten Quartieren Neukölln und Kreuzberg, werden viele Falafel in verschiedensten Varianten serviert. Meist mit vielfältiger  Herkunft und in Regionalen Varianten.


Die Falafel fand erstmals in den 1970er Jahre Einzug in die kulinarische Welt Berlins am Ku’damm. Doch mit dem exotischen Original ist sie heute nur noch fern verwandt - was sie nicht uninteressanter und weniger schmackhaft macht - sie schlich sich in die einheimische Küche ein und wird von den kulinarischen Vorlieben der Berliner beeinflusst. So wird die Mangosauce süsser und der Salat mehr.

Heute trifft man Falafel an jeder Ecke und in vielen Varianten an. Auch die Lokale variieren von léger, einem netten kleinen Restaurant, bis hin zur Fastfood-Bude. Man isst Falafel im laufen, im sitzen, am Schreibtisch, zu Hause, in der U-Bahn, auf der Strasse oder vor Ort - wo man sich gerade befindet. Immer griffbereit und frisch.



Hier einige Empfehlungen für deinen nächsten „Falafel-Heisshunger“ in Berlin :


  1. Sahara-Imbiss - ist eine Kette von sudanesischer Spezialitäten und haben über Berlin verteilt verschiedene Lokale. Etwas trashig, doch immer voller Lebensfreude, mit farbigem Keramikgeschirr und Plastikpalmen. Die Erdnusssauce welche zu den Falafel - im Brot oder auf dem Teller - serviert wird, ist eine Revolution für den Gaumen. Und die Gemüse, von Karotten bis Süsskartoffeln, welche es dazu gibt sind eine Entdeckung. Dazu gibt es gratis Schwarztee. (Preis zwischen 3€ - 6.50€) : Unteranderem an der Bergmannstrasse 94 und Wildenbruchstrasse 85

  2. Azzam - ist ein orientalisches Restaurant, dass nicht besonders anmächelig aussieht um es sich gemütlich zu machen, doch für das Essen lohnt es sich. Die Portionen sind enorm gross und alleine nicht zu bewältigen. Doch dafür perfekt um zu teilen und sich durch die orientalische Küche zu probieren. Auch hier gibt es gratis Schwarztee und zu jedem Falafel einen kleinen Salatteller und Brot. (Preise ab 2.50€) : Sonnenallee 54

  3. Falafel Jakoub - ein kleines Lokal mit schöner, traditioneller Dekoration und einem zentral platzierten, in rosa Licht bestrahlten Olivenbaum. Doch die Falafel sind dort ein Traum. Schwarztee ist zur Selbstbedienung aufgestellt. (Preis zwischen 3.50€ - 7€) : Weserstrasse 14

  4. Tutti Island - ähnlich dem Sahara-Imbiss. Ein kleines Lokal mit etwas seltsamer Einrichtung und teils etwas längeren Wartezeiten. Zu empfehlen hier ist auch der Mix Falafel - Halloumi. (Preis zwischen 3.50€ - 6.50€) : Zossener Strasse 17

  5. Sesam - die Falafel werden vor deinen Augen frisch für deine Bestellung zubereitet. Beim warten kann man sich an arabischer Popmusik erfreuen. Hier gibt es jedoch keinen Tee. (Preis zwischen 3.50€ - 7€) : Gneissenaustrasse 22

  6. Caglayan - Lasst euch von den Bilder und dem ersten Eindruck nicht täuschen. Dieses Lokal ist  auch mal gut um sich vor Ort hin zu setzen und zu geniessen. In einer Atmosphäre wie in Istanbul, werden einem von Falafel im Brot bis Nationalgerichten alles aufgetischt. Auch die Linsensuppe ist dort eine echte Empfehlung. (Preis ab 3€) : Hermannstrasse 175

  7. Maroush - dominiert mit seinen gekachelten, farbigen Wänden. Hier kann man sich von libanesischem Essen verzaubern lassen . (Preise ab 3€) : Adalbertstrasse 93




  • Instagram
  • Facebook
  • Schwarz Spotify Icon
  • Onlinemagazin

-

  • Basel

-

  • News

-

  • Basler Stadtgeschehen

-

  • Menschen aus Basel 

  • Viral