• Leonne Voegelin

Post aus Lausanne – die gefüllte Leere


Ich kenne die Räume der EPFL wie meine Hosentaschen. Normalerweise spielt hier das Leben. Mit vielen Leuten, Produktivität und das Studioleben mit Musik. Nun ist die Atmosphäre unbeschreiblich leer und einsam.


Auf den Gängen kreuze ich kaum Personen. Auch keine bekannte oder befreundete Gesichter. Mein Lebenselixier und der sonstige Austausch blieb aus. 

Im Flügel SG, dem Gebäude in dem die Architektur untergebracht ist, scheint es ewig Nacht zu sein. Es ist ruhig und Spuren der Arbeit fehlen. Keine Modelle, welche die Gänge versperren und Kolleg*innen, die versuchen, mit diesen eine Tür rücklings mit dem kleinen Finger zu öffnen. Weder Papierbögen noch Skizzenpapiere schmücken die Wände. Die Wände sind leer. Nur vereinzelte, verlassen daliegende Ausstellungen befinden sich aufgehängt in den Gängen und Ausstellungsräumen, nach Aufmerksamkeit heischend und nach Publikum suchend in den leeren Gängen.



Und in den Ateliers, wo die Arbeitsplätze für gewöhnlich rund um die Uhr besetzt sind und das Leben auf der Überholspur stattfindet, ist es still. Die Arbeitsplätze sind aufgeräumt – man hat zusammengepackt und seinen Tisch abgewischt. Keine angefangenen Popcorntüten, Kekskrümel oder alte Bierdosen, die herumstehen. Kein Lavabo ist mehr mit Gips verstopft oder mit Farbspuren und Schellack-Flecken verschmiert. 

Alles ist schön und säuberlich verräumt und an seinem Platz. Es findet kein Austausch statt – das wohl Wichtigste an meinem Studium. Ich vermisse den Einblick in die Arbeit der anderen Jahrgänge, der anderen Ateliers. Dieser ist eine unermessliche Inspirationsquelle, die nun versiegt ist. Zurück zu jungfräulich weissen Wänden, Tafeln und Papieren. 


Nun entsteht alles im Privaten, anonym und für sich, im eigenen Universum in seinen vier Wänden und seinen Hirnwindungen. Professoren versuchen dem entgegenzukommen und einen Anschluss zu digitalen Austausch-Plattformen herzustellen. 


Es ist der Verlust einer Erfahrung und meiner Motivationsquelle, Inspiration und Lebensfreude, die ich bedauere. Der Mundschutz ist nun bis auf weiteres ausgesetzt. 



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