• Leonne Voegelin

Post aus Lausanne – Von Klischees, Bürokratie und Anfängen



Als ich nach einem einjährigen Berlin-Aufenthalt wieder in der Schweiz ankam, war ich überrascht. Dieses für mich von Klischees behaftete Bild der ruhig daliegenden Waldwiese, der grasenden Tieren und der vereinzelten Häusern vor einer Kulisse aus Alpen bestätigt zu sehen. Ich fuhr keine drei Stunden mit dem Zug durch die Schweiz. Meine Fahrt wurde von fein säuberlich gesäumten Grünflächen begleitet, die mit kleinen Schweizer Flaggen dekoriert waren. Oder dann saftiges Grün, auf dem ein Rehrudel friedlich graste. Ich war unsicher, ob sich die Schweiz in einem Jahr so verändert hatte, oder ob sich meine Wahrnehmung auf die Dinge seither verändert hatte – denn eigentlich war ich auf einer mir vertrauten Zugstrecke unterwegs: Basel – Lausanne. 


Bald sollte ich jedoch wieder auf dem Boden der Tatsachen ankommen: Von der vorbeiziehenden, heilen Welt zurück in die Realität der schiefen Ebenen Lausannes und der Schweizer Bürokratie. Dort wartete – im Nachhinein fühlte es sich an, als hätten sie sich während eines Jahres für diesen Moment aufgerüstet –ein Krieg der Floskeln und Reglemente. 


Die Begrüssung war ein David gegen Goliath oder besser gesagt, ein David eingezwängt zwischen zwei Goliaths. Ich fand mich mit meiner Mitbewohnerin gegenüber dem inhumanen überbürokratisierten Administrationsapparat der Wohnungsvermietung und der Bank wieder. Es fing ein eineinhalb wöchiger Marathon im “an Wände sprechen” an. Ein sich hin und her stossen und für dumm verkaufen lassen. Es war ein Puppenspiel. 


So fing mein Rückzug nach Lausanne in einem parasitären Dasein an: Schmutzig, unerwünscht und eine Plage für jede Instanz. Doch wie sagt man so schön: jeder Anfang ist schwer. 


Glücklicherweise ist dies nur ein Aspekt der Stadt, welchen ich hoffentlich so schnell nicht mehr in Anspruch nehmen muss. Jetzt haben wir die neue Wohnung bezogen, geniessen die letzten warmen Tage auf dem Balkon, bevor Ende dieser Woche die angebliche Kaltfront über uns hineinstürzt. 


Diese doch eher negative Stimmung des ersten Rapports aus Lausanne soll nicht täuschen – es war ein auf kurze Zeit beschränkter Eingriff aussenstehender Kräfte, welche sich nur schlecht lenken liessen.

Doch nun zum Herzen Lausannes: 

Eine Stadt ähnlicher Grösse Basels am Ufer des Genfersees. Charakteristisch sind wohl die Strassenbewegungen dieser Stadt. Mit Ausnahme des Tals, welches der Flon bildet, breitet sich die Stadt am Hang aus. Kein Weg führt am Bergsteigen vorbei. Und somit sind die Zeitangaben oft sehr subjektiver Natur und ortsabhängig – kommt man von oben oder von unten? Auch die Referenzpunkte der Stadt unterscheiden sich von vielen anderen. Es gibt kein rechts und links, kein Nord und Süd.ie Hauptbeschreibung ist oben / unten oder dann Richtung See – und dies alles auf Französisch. 


Auch Zeitfragen, im Stil von “wie lange geht es bis XYZ”, sind überflüssig, denn länger als 15 Minuten Entfernung gibt es nicht. 

Eine andere Eigenheit der Stadt ist, dass sie auf eine sehr enge Art und Weise mit ihren umliegenden Gemeinden verknüpft ist. Es scheint ein einziges grosses Netz in dieser Gegend zu geben, definiert durch die Stadt und den Campen der Université de Lausanne, der EPFL und der ECAL, welche ihr Zuhause in Ecublens und Renens haben. Dies bringt auch viel junges Leben in die Stadt. 


Geflankt wird Lausanne von dem Lavaux, einem UNESCO Kulturerbe erster Klasse. Ein terrassiertes Gelände ganz dem Wein gewidmet. Es ist die Hintergrundkulisse der Alpen vor dem See, die das Bild Lausannes abrundet. 



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