• Max Kaufmann

Schlechte Zeiten für Hitzköpfe

Ich bin manchmal ein Hitzkopf. Wenn ich früher bei Uno verlor, fegte ich alle Karten vom Tisch. Inzwischen bin ich im Verlieren ein wenig besser geworden, aber manchmal brennt der Hitzkopf immer noch mit mir durch.


Und manchmal fällt das Verlieren sehr schwer: Am Tag nach der Ablehnung des CO2-Gesetzes hätte ich jedem SUV, dem ich begegnete, gerne den Mittelfinger gezeigt. Die fahren wegen einer Baustellen-Umleitung gerade massenweise unter unserem Balkon durch. Am Tag nach der Abstimmung schienen sie richtig genüsslich zu blinken, um dann triumphierend mit 40 in die Dreissigerzone einzubiegen: Hauptsache richtig demonstrativ Ressourcen verschwenden.



Wenn es dazu noch so heiss ist wie während der letzten Woche, macht mich alles wütend, was laut ist und die Stadt noch mehr erhitzt. Mit dem Velo ist es gerade unerträglich. Da schlängelst du dich an den Baustellen vorbei und wirst von klimatisierten, fetten Schlitten überholt, die sich an dir vorbeidrängen. Wenn du nach dem Gedränge endlich auf einen offenen und ruhigen Platz kommst, um zu verschnaufen, hat es nirgendwo Schatten. Gerade bei mir um die Ecke auf dem Meret-Oppenheim-Platz zum Beispiel. Dieser Betonfleck hinter dem Bahnhof: Nur Asphalt und kein Grün – ausser dem Tibits.


Eigentlich wäre es aber eine ganz unterhaltsame Zeit. Jetzt, wo die meisten noch halb in der Prüfungsphase von der Hitze überrascht wurden und noch fast niemand mitbekommen hat, dass die EM läuft, bevor die Schweiz schon wieder ausscheidet.


Jetzt ist es schon zu spät, noch rechtzeitig neue Shorts zu coppen, ohne dabei ertappt zu werden. Wenn man dann ausnahmsweise mal nicht Secondhand kauft, sich im Ober- statt im Untergeschoss bei Fizzen begegnet, fühlen sich immerhin beide bei ihren nicht so nachhaltigen Panikkäufen ertappt.


Unterhaltsam ist diese Zeit abgesehen vom Rheinschwimmen und Balkon-Chillen auch, weil unter diesen veränderten Umweltbedingungen plötzlich neue Fähigkeiten gefordert sind: Held*innen sind in meiner Bubble momentan all die, die wissen, wie man stinkende Birkenstöcke wieder frisch kriegt oder heissen Teer von weissen Sneakers kratzt.


Selbst wenn die Hitze dann in ein paar Wochen vorbei sein sollte, die Ferien nach den letzten Uni-Abgaben genossen sind und nach fertigen Bauarbeiten weniger SUVs unter dem Balkon hindurch fahren: Die Wut nach einer Niederlage wie der vom Sonntag vor einer Woche bleibt.