Der Basler «Scalatrax» klingt nach der weiten Welt


© Dominik Asche

Florian Haas Schneider ist Schlagzeuger mit Herz und so kennt man ihn in Basel. Unterwegs ist er unter anderem mit Nicole Bernegger, Emilia Anastazja, Das Letzte Kollektiv und dem Bodo Maier Jazz Quintett. Nebenbei unterrichtet er noch eine handvoll Schlagzeug- Schüler*innnen. Eine Aufgabe während seinem Jazzstudium, welches er in Fachrichtung Schlagzeug im Master abgeschlossen hat, war der Start seines Projektes «Scalatrax», ein Solo-Musikprojekt. Die erste Single des Projekts ist bereits veröffentlicht, sie trägt den Namen «Circles». Am 10. April diesen Jahres realesed er eine EP mit sieben Tracks.

Du bist immer der Drummer in einer Band. Wolltest du dich jetzt endlich mal selbst verwirklichen?


«Das war eigentlich nicht der Grund dafür, aber während des Prozesses fiel mir das auf. Ich konnte bei diesem Projekt zum ersten Mal selber bestimmen und einfach drauf los machen, wie es mir passte.»


Was war denn der Grund, dass du das Projekt angefangen hast?


«Ich höre selbst viel Musik von Beatmakern oder Musikern, die mit solchem Zeug angefangen haben. Als Schlagzeuger sind mir Beats sehr nah. Zudem fühle ich mich auch ein wenig als Tontechniker. Deshalb bastle ich gerne am Computer und probiere viel aus. Es lag sehr nah, dass ich für mich irgendwann mal ein Beat-Tape oder ähnliches produziere. Das dieses Projekt dann so gross würde, und dann noch mit Features, das war zuerst nicht der Plan.»


Ist diese Musik der wahre Florian? Sonst spielst du ja in Soul, Jazz oder Popformationen mit.


«Nicht unbedingt. Ich höre all die Musik, die ich selbst spiele. Sonst würde ich dort nicht mitspielen. Mir fiel am Ende der Produktion aber schon auf, dass auf der EP schon viel Rap und Spoken word ist.


Ich müsste das selbst mal hinterfragen, ob das ich bin.»


Hast du dich da noch nie hinterfragt? 


«Nein. Es ging halt automatisch in diese Richtung. Ich hatte mir nicht überlegt, was für Beats ich produzieren will. Einige der Tracks entstanden, in dem ich Nägel auf den Boden fallen liess und das aufnahm. Gewisse Nägel ergaben einen Rhythmus. Ich schnitt diesen Teil raus, loopte diesen und hatte damit schon das Tempo des Tracks. Dazu kombinierte ich dann andere Sounds.» 


Du hast das Projekt also angefangen, um auszuprobieren und zu experimentieren?

© Dominik Asche

«Ja. Das Konzept dahinter ist die Challange, dass ich keine akkustischen oder elektronischen Schlagzeugbeats verwenden darf. Ich habe mir also selbst die Aufgabe gestellt, dass ich alle Rhythmen selbst aus verschiedenen Sounds mit Gegenständen basteln muss. Viele Kick-Sounds stammen von Komposteimern, Büchern und Koffer, die ich geschlagen habe.»


Wie lange schlummerte dieses Projekt in deiner Schublade und wie lange hat es gedauert, bis du das Projekt nun fertig auf den Tisch legen konntest?


«Mindestens 3 Jahre. Es durfte auch schlummern, weil ich nicht immer daran gearbeitet habe. Schlummern ist deshalb ein schönes Wort dafür. Ich fing mit den ersten Beats an. Dann hatte ich den ersten Track fertig und mir fehlten Features darauf. Dieser erste Track heisst «Circles». Ich hatte dafür Ryler Smith als Feature angefragt, weil seine Stimme und seinen Flow mich sehr inspirierten und ich dachte, dass er den Track sehr schön ergänzt. Bis er fertig war mit den Aufnahmen, verging wieder Zeit, in der ich einen neuen Track anfing und so zog sich das Ganze in die Länge.»


Du hast mit unter anderem Ryler Smith und Pablo Vögtli zusammengearbeitet, aber auch mit dem Jazz-Saxophonist Niko Seibold. Ist es genau diese Mischung, die dich widerspiegelt?


«Ja, mega. «Circles» hat einen sloppigen Beat und dann dazu Rap und ein Saxophon, welches dem ganzen eine art jazzigen Vibe verleiht den ich sehr mag. Das widerspiegelt mich schon gut. Die Mischung von HipHop und Jazz sagt mir generell sehr zu.»



Geht es dir darum, Genres zusammenbringen oder willst du ein eigenes Genre kreieren?


«Keines von beidem. Ich möchte sicher kein neues Genre erschaffen. Aber wenn zwei Kontraste aufeinander treffen, dann ist das nicht weil ich das von Anfang an so plane, sondern weil es sich ergibt. Ich höre bei den Tracks, was noch fehlt, damit sie komplett sind. Aber ich mische nicht einfach ein Saxophon dazu, dass ein «jazzy» Touch entsteht.»


Wie hat aber ein Ryler Smith, der ganz offensichtlich für HipHop brennt, reagiert, als er erfahren hat, dass er zu einem Jazz-Saxophon rappen soll?


«Also bei «Circles» wusste Ryler Smith das gar nicht. Lustigerweise ging das unter, weil ich so im Workflow war. Erst beim Release hörte er, dass ein Saxophon dazu gemischt wurde, weil ich vergessen hatte, ihm den fertigen Song vorab zu schicken. Aber es hat ihm sehr gefallen.»


Hast du dich als Profi-Schlagzeuger mit diesem Projekt dazu herausgefordert, eben mal kein Schlagzeug zu verwenden?


«Ja, das war meine Challenge und Konzept von Anfang an. Ich hatte mit den Geräuschen die ich für ein Projekt im Studium aufnehmen musste mir die Aufgabe gesetzt daraus Beats zu basteln und nur dieses Material zu verwenden.»


Das ganze Konzept hört sich sehr durchdacht an, aber irgendwie auch sehr erfinderisch und spontan. So nehme ich auch dich wahr. Ist dein Projekt mehr konzeptuell oder spontan? 


«Der Aufbau der Tracks ist sehr spontan. Aber das Konzept, dass ich die Beats nur mit Geräuschen aufnehme, ist schon durchdacht. Dazu kamen Features, Synthesizer Samples und Klavieraufnahmen, die ich einspielte. Am Computer habe ich dann angefangen, spontan zu basteln.»


Ich finde, der Sound hört sich international und nicht nach Basel an. War das dein Anspruch?


«Nicht wirklich, aber ich glaube, es ist einfacher als Solokünstler nicht nach Basel zu klingen. Inspiriert bin ich vorallem von Künstlern die nicht aus der Schweiz sind. Mit Ausnahme von Audio Dope oder Melodiesinfonie.»


Funktioniert «Scalatrax» auch live?


«Das frage ich mich auch. Ich hätte aber mega Bock es auszuprobieren. Ich bin bisher noch nie als Solokünstler auf der Bühne gestanden und deshalb reizt es mich erst recht, wie das ist.»


Zu welchem Moment oder an welchen Ort passt «Circles» von «Scalatrax»?


«Der Song hat für mich etwas verträumtes und chilliges. Aber nicht zu chillig. Auch etwas benommenes. Überall hin, wo diese Stimmungen passen. Mich würde es auch interessieren, in welchen Momenten «Scalatrax» gehört wird. Ich hatte mir die Frage schon selbst gestellt, aber bin noch zu keiner Antwort gekommen. Es würde mich enorm freuen, wenn die Musik zu einem Sonnenuntergang, im Club oder zum Aufstehen am Morgen gehört wird - ein Song, der für alles ist. Es kommen aber noch Tracks, die man nicht unbedingt zum Aufstehen hören würde.»

Die nächste Single von «Scalatrax» erscheint am 13. März 2020. Die EP mit den sieben Tracks folgt am 10. April 2020.

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