• Leonne Voegelin

Post aus Berlin - ein kurzer Einblick in eine Sprache


Die Unterschiede der Deutschen Sprache sind teilweise gewöhnungsbedürftig, zumindest für mich. Direkt, knapp und „voll in die Fresse“ beschreibt das Berliner Deutsch wohl am besten. Wenn man sich die diskrete Indirektheit der Schweizer und ihr «um den Brei herum Gerede» gewohnt ist, so fühlt man sich Anfangs zweifellos hart getroffen. Ich fand mich einige Male in einer Plauderei wieder, in welcher ich zweimal leer schlucken musste. Der Nachhall erinnerte mich an die verschiedenen Be- und Empfindlichkeiten der doch so gleichen Deutschen Sprache.

Es ist wohl am schweizerdeutschen Sprachstil und den verschlungenen halb entschuldigenden Formulierungen zu verdanken, dass die Schweizer*innen ein weit verbreitetes, höfliches Image haben. 

Indirekte Aussagen wie «Könnte ich bitte», in denen man eine denkbare Möglichkeit mit einer Bitte zum Ausdruck bringt, prägen den Charakter der Schweizerdeutschen Sprache. So musste ich klaglos konstatieren, dass man in Berlin mit Bestimmtheit gefragt wird «gib mir». Hier wird nichts in Erwägung gezogen, keine Eventualitäten und auch fragt man nicht nach der Möglichkeit oder entschuldigt sich -  hier wird freundlich und deutlich verlangt. Wird man auf der Strasse, in der U-Bahn oder im Supermarkt angerempelt, dann fängt nicht gleich ein lange Entschuldigungstirade an. Ein einfaches „Sorry“ oder dann auch mal ein knappes „Nichts“ sind die Antwort. Oder dann wird man gelegentlich bestimmter mit einem entschiedenen „OH MANN !“ , „PASS AUF !“ angeschrien.

Die digitalen Medien bilden in diesem Sprachgebrauch keine Ausnahme. Antworten sind oft auf den Punkt gebracht und wenn es nichts mehr zusagen gibt, dann findet man sich auch mal mit einem klaren, doch kargen Nein” oder Ja” auf seinem Bildschirm wieder. 

Geht man sich noch ein Wegbier in einem Späti (24/7 kleiner kioskähnlicher Laden) holen, wird man mit einem rauen Was willst?” begrüsst.

Diese direkte, für aussenstehende unfreundliche Art, ist ein Merkmal der Berliner*in. Wenn man sich dazu hinreissen lässt am Kanal den Leuten auf den Booten zurück zu winken, so kommt als Antwort: Och, das sind kehne Berliner”.


Es herrscht eine ehrliche und (eigentlich) herrliche Direktheit, die von der Sprache Gebrauch macht und das Wesen der Menschen mitformt. Wer weiss, vielleicht werde ich einige dieser sprachlichen Direktheiten bald mein Eigen nennen. 


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