• Leonne Voegelin

Post aus Berlin - Freude für die Augen


Die Kunstszene Berlins ist vielfältig, reichhaltig und bietet für alle etwas. Jede Woche sind Veranstaltungen und Eröffnungen am Start. Nur im Moment nicht. An Tagen wie diesen schwelge ich in Gedanken, vertreibe mir die Zeit zuhause und lasse Ausstellungen Revue passieren. 


C/O


Eine meiner liebsten Galerien ist die C/O mitten in Berlin neben dem Tiergarten. Die Galerie ist in dem himmelblauen «Amerika-Haus» beheimatet, das aus den sechziger Jahren stammt. Mit weissen und orangenen Akzenten sticht das Haus aus der Masse heraus. Die Galerie überzeugt hauptsächlich mit Fotografie-Ausstellungen. Von alten Schwarz-Weiss-Meister*innen bis hin zu Neuentdeckungen und Talenten kriegt man hier alles zu sehen. 

Im Herbst 2019 verschrieb sich die Fotoausstellung «No Photos on the Dance Floor» der Berliner Partyszene. Gezeigt wurde die Entwicklung der Partylokale, die Looks und Mode der Partygänger*innen und Auswüchse ihrer Subkultur – ein umfangreiches Thema. Fotografien von Wolfgang Tillmans wurden gezeigt, welche das Thema mit Tiefgang aufgriffen und in ihrer Formen- und Farbsprache von einer explodierenden Energie erzählen. Diashows zeigten Momentaufnahmen aus den vergangenen Jahrzehnten. Im Zentrum standen Körperkult, das Erscheinungsbild der Nachtschwärmer, ihre Aussetzer und Exzesse. 

Eine weitere Ausstellung im C/O mit dem Titel «Unseen» war Robert Frank gewidmet. Frank war schweiz-amerikanischer Fotograf, der 1958 mit der Fotoreportage «The Americans» die Ästhetik der Fotografie revolutionierte. Seine Schwarz-Weiss-Fotografien sind ungestellt, ungeschönt und direkt. Sie führen uns an die Gesellschaft der fünfziger und sechziger Jahre heran. Gleichzeitig ist der Einfluss der US-amerikanischen Literaturszene der „Beatniks“ spürbar, in deren Kreise Frank sich bewegte. 

Momentan können auf dem Instagram Account der C/O Berlin virtuelle Künstlergespräche und Einblicke in die aktuellen Ausstellungen gewonnen werden. Dabei werden Interviews und Führungen übertrage.

KINDL


Das Kindl ist ein Museum für zeitgenössische Kunst. Die ehemalige Bierbrauerei des Kindls (Bier) bietet Unterschlupf, wobei im Untergeschoss noch immer gebraut wird. Hinter den dicken Backsteinmauern befindet sich ein Arsenal moderner und zeitgenössischer Kunst, das immer wieder neu und in spannenden Kontexten gezeigt wird, darunter Videoinstallationen aus dem Skandinavien oder politisch geprägte Kunst, wie zum Beispiel die Gruppenausstellung «Ruinen der Gegenwart», welche die Thematik der politischen Instabilität aufgreifte. Das Museum hat seinen Rahmen so gesteckt, dass ein interessanter Austausch mit den Künstler*innen stattfinden kann. Mit zahlreichen Veranstaltungen, Lesungen und Führungen bietet das Kindl die Möglichkeit, ganz in die Welt der Künstler*in einzutauchen. 

Und was wäre ein Museum ohne Kaffee? Im Sommer bietet sich die Terrasse der ehemaligen Brauerei für eine Pause an. Aber auch im Innern, umgeben von einer authentischen Backsteinarchitektur, den Maschinen der Brauerei und viel künstlerischem Input, lässt sich ein kühles Bier geniessen.

Braun-Sammlung Ettel


Produktdesign-Begeisterte kommen in der Braun-Sammlung Ettel auf ihre Kosten. Im Wohnquartier Hansaviertel in Berlin, unscheinbar im Erdgeschoss eines Reihenhauses an der Elberfelder-Strasse 37 untergebracht, zeigt Werner Ettel seine ausserordentliche Sammlung. Der ältere Herr besitzt eine beinahe komplette Sammlung aller Produkte des deutschen Design- und Produktehauses Braun zwischen 1955 und 1995. Nur fünf Produkte fehlen ihm noch. 

Die Öffnungszeiten sind begrenzt und der Sammler und Kunsterzieher Ettel empfängt alle Besucher*innen persönlich. Ein Besuch gibt Aufschluss über die Design-Devise Brauns: Modern, funktional und sachlich. Ettel gewährt nicht bloss den Eintritt in die Sammlung, er erläutert viel und gibt Auskunft über jedes der Produkte. Auf jede Frage weiss er eine Antwort, erklärt die Parallelen der Produkte, gibt Persönliches der Designer preis oder verwebt Braun-Design-Geschichten mit der jeweiligen Zeitepoche und der Architektur. 

Tropez Tropez 


Die Ansicht gleicht einer Szene aus einem Wes Anderson-Film: Tropez Tropez ist ein Pavillon in pastellfarbenen Tönen im Stil der fünfziger Jahre. Er steht in einem Freiluft-Bad und sieht eher einem Café gleich, als einem Ausstellungsraum. Hier werden einige wenige ausgewählte Fotografien gezeigt. Das Hauptaugenmerk fällt auf die charmante Parkanlage. Sie lädt zum gemütlichen Flanieren ein, ist mit einem Kiosk, vielen Sitzplätzen, bunten Sonnenschirmen und einem Schwimmbecken im Grünen bestückt. Und mitten im Geschehen steht der Pavillon von Tropez Tropez. Vorlesungen, Künstlergespräche und Diskussionen finden draussen statt und ziehen im Sommer viele Menschen an. 

Sammlung Boros


Die Sammlung Boros befindet sich in einem aus dem zweiten Weltkrieg stammenden Bunker, welcher schon als Bananenlager und Club genutzt wurde. Ein Kunstsammler hat ihn übernommen, den Bunker renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu sehen ist eine Symbiose aus moderner, zeitgenössischer Kunst und Geschichte, die auf Reservation zu besichtigen ist. Da das Gebäude spiegelsymmetrisch aufgebaut ist, besteht die Gefahr, sich zu verlaufen. Deshalb sind die Ausstellungen nur geführt zu sehen.


Alle diese Galerien und Museen sind im Moment geschlossen. Doch diese aufgelegte Schliessung der Türen hat die Museumslandschaft erfinderisch gemacht.

Die Kunst kommt zu dir nach Hause:




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