• Leonne Voegelin

Post aus Lausanne – Vom Dilemma mit der freien Zeit






Das Semester ist zu Ende. Die vergangenen Wochen waren von Prüfungen getaktet und die Tage in Lerneinheiten fürs Bestehen aufgeteilt. Ich zwang mir den Rhythmus des strengen Drills auf, um dem heimeligen Wohlgefühl nicht nachzugeben. Ich stand morgens zeitig auf, ordnete und plante den Tag und vermisste dabei Freizeit und Geselligkeiten mit Freund*innen. Doch nun ist diese Zeit vorbei. Die einzigen Gedanken, die ich noch an mein Studium verschwende, sind an die anstehenden Noten – welche nicht immer die angenehmsten sind.

Aber sonst lacht mir eine entspannte Zeit entgegen: Ferien! Das entspricht einem Bruchteil des Jahres und einem Ausnahmezustand ganz ohne Verpflichtungen. Es scheint die beste Zeit des Jahres zu sein?!



Man scheint sie erst so richtig schätzen zu wissen, wenn man das Privileg verloren hat, diese zwölf Wochen Ferien schön auf das Jahr verteilt zu haben und sich mit nur vier Ferienwochen zufrieden geben muss. Ich habe das Glück, einen ganzen Monat frei zu haben. Frei von jeglicher Verpflichtung, Aufgaben, Stress oder Müssen.


Und doch hat diese Zeit für mich einen leicht bitteren Beigeschmack. Obwohl ich nichts lieber tun würde, als den Kopf auszuschalten und mich dem Nichtstun hinzugeben, habe ich diese mahnende Stimme im Hinterkopf, die es nicht sein lassen kann, mir ins Gewissen zu reden.

Ich soll meine Zeit produktiv zu nutzen: Eine Praktikumsstelle suchen, Arbeitserfahrungen

sammeln, Projekte und Geld verdienen oder informative Lektüren lesen. Kurzum meinen CV aufpolieren.

Dieses Dilemma kocht immer wieder in mir auf – in den Jahren zuvor konnte ich es mit Museumsbesuchen sowie der Entdeckung neuer Zugstrecken und Länder lindern. Doch dieses Jahr gibt es keine Ablenkung. Ich suche einen Ersatz. Irgendwas, das mir das Gefühl von Tätigsein vermittelt. Zum Beispiel alle Bananenbrot-Rezepte auszuprobieren.


Kämpfe ich gegen das eine Dilemma an, da zeigt sich auch schon ein zweiter innerer Clinch: Entgegen der Tatsache, dass es meine Semesterferien sind. Die Zeit, um neue Energie zu tanken. Seinem Geist die grösstmögliche Gedankenfreiheit zu gönnen, einmal kräftig durchzulüften und neue Inspirationen zu finden. Es ist gewissermassen die Basis, auf der das Studium aufbaut. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas paradox: Wie könnten wir unser Potential, unsere Kreativität, unsere Ausdauer und alles, was man noch so für ein Studium benötigt, abrufen, wenn wir nicht diese Ruhepausen hätten?