• Juno Peter

25, und jetzt?



GIF: Pia Zibulski


Tschüss Sommer, hallo Herbst! Abweichend von der grossen, den Sommer verehrenden Allgemeinheit liebe ich den Herbst. Besonders den Oktober – bevor der kalte, nasse November einzieht. Die Blätter werden bunt, es gibt überall gebrannte Mandeln, die Luft wird kühler und ich kann endlich wieder lange Kleidung, Pullover und meine wunderschönen Mäntel tragen, ohne einen Hitzschlag zu erleiden. Ein zusätzlicher Pluspunkt im Herbst ist: Im Oktober ist mein Geburtstag. Ja, liebe Astrologie-Freund*innen da draussen, I’m a libra.


Dieses Jahr war es tatsächlich ein besonderer Geburtstag, denn ich wurde 25.

Ein Vierteljahrhundert stolper ich jetzt schon auf dieser Erde herum. Tatsächlich ist mir diese anscheinend monumentale Zahl meines Alters ziemlich egal. Für mich macht es keinen grossen Unterschied, ob ich 21 oder 25 bin. Für unsere Gesellschaft scheint diese Zahl jedoch ein riesiges Ding zu sein.


Das merkt man allein schon an Gesetzen. Mit dem Erreichen der 25 sind die Eltern offiziell nicht mehr finanziell für ihr Kind verantwortlich und müssen es nicht mehr unterstützen. Dazu kommt, dass alles teurer wird. Kontoführungsgebühren, weil man nicht mehr als “jugendliche” Person gilt, das Halbtax zum Jugendpreis kriegt man auch nicht mehr und meine Krankenkassenprämie hat sich ins Unermessliche erhöht.


Es wird nicht nur erwartet, dass man ab 25 finanziell unabhängig ist, sondern auch, dass man genug Geld hat, alle auf einen Schlag steigenden Kosten alleine zu stemmen. Schliesslich ist man ja schon auf dem halben Weg zur 30, da steht man schon voll im Leben und hat ein fixes Einkommen. Und wenn du das nicht hast, dann bist du selbst Schuld. Was fällt mir auch ein, mit 25 noch zu studieren und kein geregeltes Einkommen zu generieren. Doch weil das bei mir nicht der Fall ist, kriege ich jetzt endlich Prämienverbilligung – die steigenden Krankenkassenkosten übernimmt also doch der Staat. Wenigstens etwas.


Nicht nur der Staat dreht ab 25 durch. Auch die Menschen scheinen dieser Zahl eine ungeheure Macht zuzuschreiben. An meinem Geburtstag kamen mehrere zu mir und sagten wunderschöne Dinge wie: Ab jetzt geht's bergab, deine Zellen erneuern sich jetzt nicht mehr so schnell wie früher, jetzt beginnt das Altern. Und mein Favorit: Du bist echt alt für eine Student*in. Auch wurde ich gefragt, wie es sich anfühlt, Richtung 30 zu gehen und ob ich denn schon die ablaufende Uhr der Jugend ticken hören würde.


Aber ganz ehrlich – ich fühle gar nichts. Das einzige, was mich an dem Alter stresst, ist, dass ich die Zahl 25 echt nicht schön finde. Deshalb freue ich mich auf die 26. 26 gefällt mir.


Vielleicht sollten wir aufhören, bestimmte Erwartungen an Menschen in einem gewissen Alter zu stellen. Wer hat entschieden, dass ich mit 25 einen bestimmten Punkt im Leben erreicht haben sollte? Wie will man überhaupt eine Norm ausfindig machen? Besonders finanzielle Unabhängigkeit kann doch nicht an einem Alter festgemacht werden. Lebenswege verlaufen unterschiedlich, Ausbildungen dauern verschieden lange und deshalb sehe ich keinen Sinn dahinter, sich zu stressen, weil man mit Mitte zwanzig noch keinen festen Job oder kein abgeschlossenes Studium hat. Vor allem nicht, wenn es einen nur stresst, weil andere Menschen im gleichen Alter das schon haben.


Was ich eigentlich sagen will, ist einfach: Macht euch nicht so viele Gedanken über euer Alter und was andere in eurem Alter schon alles erreicht haben. Das tut absolut nichts zur Sache. Jede*r hat einen eigenen Zeitplan. Was die anderen wann machen, ist scheissegal.


Soviel dazu.


Ich geh jetzt mit meinen Studienkolleg*innen was trinken, denn ich steh zwar noch nicht voll im Leben, aber ich geniesse es.


Bussi Baba


Juno



logo.png