• Selina Peter

Hallo, ich bin Selina und ich bin queer


Illustration: Pia Zibulski


Salü, meine Lieben! Was für ein Monat. Vor drei Tagen hatte ich Premiere mit einem Projekt in

Bern und in drei Wochen ziehe ich aus der schönen kleinen Schweiz weg ins nördliche Hildesheim. (Keine Sorge, muss man nicht kennen, ich kannte es vorher auch nicht.) Vieles ist während der letzten vier Wochen passiert. Das erste Mal seit fast fünf Monaten habe ich wieder aktiv geprobt, performt und nun auch endlich eine tolle WG gefunden, in die ich nun demnächst einziehen werde. Was jedoch am nervenaufreibendsten war: Ich hatte mein erstes Coming-Out. Denn es ist so – ich bin Pansexuell.


Ich schreibe absichtlich „erstes“, weil das Coming-Out nie aufhört. Jedesmal wenn man es einer neuen Person erzählt, ist es ein neues Outing und eine neue Erfahrung. Ich weiss nie, wie mein Gegenüber reagieren wird. Bisher hatte ich überwiegend positive Reaktionen, da ich mich in einem sehr offenen und Queer geprägten Umfeld bewege. Trotzdem bin ich jedesmal etwas nervös, wenn das Thema Sexualität aufkommt. Ich muss auch zugeben, dass ich gerade ein bisschen zittere, während ich das hier schreibe, denn unerwarteterweise fiel es mir bis zu diesem Zeitpunkt schwer, mich mit dem Begriff „Pansexuell“ zu bezeichnen. Das, obwohl ich mich eindeutig damit identifiziere. Auch jetzt hadere ich immer noch damit. Das hat mehrere Gründe.


Bisher dachte ich immer, dass ich hetero bin, obwohl ich mich nie wirklich mit diesem Begriff identifizieren konnte. Mein Gedankengang diesbezüglich war einfach: Ich stehe auf Cis-Männer, also muss ich ja hetero sein. Die vielen crushes auf Frauen, egal ob Cis oder Trans, Non-Binary People und Trans-Männer, die ich seit meiner Pubertät immer wieder habe, hielt ich für nebensächlich. Ich bin absolut kein Fan von Labels, da ich immer das Gefühl habe, dass solche Labels auch Erwartungen mit sich bringen. Wenn ich mich oute, muss ich queer daten und darf keine heteronormativen Beziehungen mehr führen. Zudem habe ich mir lange das Recht abgesprochen, mich als Pan zu bezeichnen, da ich bisher noch keine Beziehung ausserhalb der Heteronormativität geführt habe. All diese Gründe haben mich dazu gebracht, meine Gefühle zu unterdrücken und mich in meinem Datingverhalten einzuschränken.

Und was wohl der grösste Grund war, weshalb ich mich erst jetzt oute: Weil ich Angst vor Ablehnung hatte.


Dass diese Erwartungen, Ängste und Vorstellungen nur in meinem Kopf existieren und ich nur mir selbst Rechenschaft schuldig bin, ist mir nun aber auch klar.

Einschränken will ich mich nicht mehr und ich will auch keine Angst mehr haben. Ich will andere Menschen daten, aber das ist schwer, wenn man sich der Queer community nicht auch als Queer zu erkennen gibt. Darum war für mich klar: Es ist Zeit mich zu Outen.


Manche fragen sich jetzt vielleicht, warum ich das so öffentlich machen muss und meine Kolumne diesem Thema widme. Ich habe verdammt lange daran herumstudiert, ob ich diesen Text wirklich schreibe. Noch länger habe ich überlegt, ob ich ihn auch wirklich veröffentliche. Warum ich mich dafür entschieden habe, hat im Grossen und Ganzen zwei Gründe.

Nummer eins: Es ist einfach so, dass ich mich in diesen Texten den Themen widme, die mich in diesem Moment beschäftigen. Diesen Monat (und auch schon viele, viele Monate davor) beschäftigte mich meine Sexualität, beziehungsweise mein Coming Out, am allermeisten. Da ist es für mich naheliegend, darüber zu schreiben. Mich einem anderen Thema zu widmen, obwohl mir dieses so präsent ist, wäre einfach erzwungen gewesen und das ist nicht die Art und Weise, wie ich schreiben will und kann.

Grund Nummer zwei: Queer Visibility ist verdammt wichtig. Vielleicht hilft es ja irgendwem da draussen, zu wissen, dass die eine, die diese komischen Texte im Internet schreibt, die gleichen Gefühle hat und gerade die gleichen Erfahrungen macht. Dazu kommt noch, dass ich hoffe, durch diese Offenheit mit anderen Queers in Kontakt zu kommen, denn auch ich suche Anschluss und Menschen die ähnlich ticken wie ich. Niemand ist gerne mit seinen Gefühlen alleine.


Eine Person, die mir bei diesem inneren Prozess sehr geholfen hat, war die bisexuelle Politikerin Anna Rosenwasser. Auf ihrem Instagram Account postet sie immer wieder Stories bezüglich sexueller Identität und beantwortet Fragen. Ihre Posts haben mich in meinem Findungsprozess extrem unterstützt und bestärkt. Ich kann sie allen wärmstens empfehlen, egal ob queer, questioning oder hetero.


Long Story Short:

Es ist draussen, der Text ist publiziert und ich muss sagen, es fühlt sich verdammt gut an, endlich Out zu sein und einfach zu sagen: “Hallo, ich bin Selina und ich bin pan”.


Darauf trink ich jetzt erstmal einen.


Cheers!


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