• Max Kaufmann

Kitsch oder nicht?


Wenn ihr das lest, ist der Valentinstag «leider» schon vorbei. Vielleicht seid ihr froh, dass er überstanden ist, vielleicht konntet ihr es auch geniessen. Ganz unabhängig davon ist dieses Jahr vieles anders.


So häufen sich gerade Wohnzimmertisch- statt der üblichen Restaurantdates in den Instagram-Storys meiner Freund*innen. Es sind aber auch dieses Jahr dieselben Pärchen wie sonst, von denen ich mitbekomme, wie sie den Abend verbringen. Das sind auffällig die gleichen, von denen man jeden Monat mitbekommt, an welchem Tag sie zusammengekommen sind. Am besten gleich noch am Vierzehnten.


Dann gibt’s natürlich auch die, die nichts mit Kitsch anfangen können. Jene, die «La La Land» oder «Titanic» nur mit Trinkspiel ertragen. Aber ganz ehrlich: Ich bin nicht der grösste Valentinstag-Fan. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass alle auch einfach ein wenig so tun, als würde sie das Ganze kaltlassen. Verabredeten sich zum Beispiel ganz zufällig am gestrigen Sonntagabend. Zählen die Monate, die sie zusammen sind, einfach im Stillen. Wie haben die den Valentinstag verbracht? Jene, die keine händchenhaltenden Storys geteilt haben?


Illustrationen: Hannah Oehry


Zugegeben fühle ich mich beim Schreiben dieses Textes wie in einer Couple-Kolumne der «Schweizer Illustrierten». Ich erinnere mich da auch an einen kleinen Beitrag, den wir als Primarschüler*innen in einer selbstgebastelten Schülerzeitung abdruckten: Einen Adventskalender mit einem Kennenlern-Tipp für jeden Tag. So à la «5. Dezember: Teile dein Znüni mit ihr*ihm». Am 24. Dezember hiess es «Sie*er liebt dich». Dass es funktionierte, habe ich von niemandem gehört.


Kein Wunder, zweifeln da die einen oder anderen an der Romantik. Gerade am Valentinstag, wo vieles erzwungen wirkt. In den letzten Jahren konnten sich jene immerhin noch in den Ausgang flüchten und über geschniegelte Pärchen lästern, die auf dem Weg zu ihren Dates waren und dabei beängstigend erwachsen wirkten.

Aber auch dieses Jahr gab es Alternativen, den Abend zu verbringen. Auch unromantische: Ich hatte mir vorgenommen, endlich mal den Adventskranz, der auf dem Balkon verrottet, zu entsorgen. Montag früh ist nämlich Müllabfuhr. Und für «La La Land» war danach auch noch Zeit. Sogar ohne Trinkspiel – ich beklage mich zwar jedes Mal über den Kitsch, habe den Film inzwischen aber schon fünf Mal gesehen.