• Max Kaufmann

Mit dem Food Processor gegen die Krise



Illustrationen: Pia Zibulski


Plötzlich erübrigt sich die Frage wieder, was am Wochenende los ist – wirklich weiter als auf den Balkon geht’s nicht mehr. Vieles ist ähnlich wie im Frühjahr, aber doch fühlt es sich anders an. Auch wegen der Jahreszeit: Auf «Balkonien» ist die Saison wetterbedingt vorbei. Das einzig Gute an der Kälte ist, dass uns «Weihnachts-Urlaub auf Balkonien»-Spam auf Insta erspart bleiben wird.


Dafür «droht» diesen Winter wieder ein DIY-, Koch- und Backexzess. Schlimmer als im Frühjahr. Eine zweite Chance sozusagen für alle, die sich dem im Frühjahr entzogen oder lieber zu Video-Tutorials Workouts machten. Dieser Winter könnte als jener Winter in Erinnerung bleiben, in dem sich jeder Haushalt einen Food Processor anschaffte. Bei all meiner Abneigung gegen Food Processors, die man nur «weil fancy» nicht einfach Standmixer nennt, ist eine weit weniger schlimme Vorstellung als zuerst gedacht. Gerade auch im Vergleich mit so ziemlich allen anderen Ereignissen, die man mit diesem Jahr verbinden könnte. Lieber Kürbissuppe als Fernunterricht. Selbstgemachtes Pinienkern-Pesto statt steigender Fallzahlen oder Hummus mit Sauerteigbrot statt Trump-Wiederwahl.


Realistischer gesehen könnte ein Standmixer vielleicht nicht gerade die Welt aber immerhin unser Haushalts-Budget retten. Das ging im ersten WG-Monat zur Hälfte für Pesto und Hummus drauf. DIY ist ganz okay, wenn das Resultat gegessen werden kann. 

Die äusseren Umstände zwingen uns ja schier zum Selbermachen und das bietet wiederum allerlei Ausreden zur Prokrastination – der Besitz eines Food Processors ebenfalls. Das teure Ding muss amortisiert werden. Vorlesungen im Fernunterricht schreien danach, oberflächlich wie ein Podcast gehört zu werden und nebenbei Teig zu kneten. Ich warte schon auf den Tag, an dem ich nach Hause komme und der Mitbewohner meint: «Sorry, hab gerade aus Reflex Sauerteigbrot gebacken, der Teig musste zwei Tage ruhen und jetzt habe ich mich nicht für die Uni vorbereitet.» 


Während ältere Generationen in ihrer Studizeit von Pasta lebten, kochen wir unsere eigene Marmelade ein – und leben von Pasta. Aber auch die Sammlung von aus der Migros- und Coopzeitung ausgeschnittenen Rezepten füllt sich bereits. Der Grat zwischen Foodblogger-Life und Bünzlitum ist eben schmaler als gedacht. 


Beim Kochen oder Backen lassen sich auch bestens die Pressekonferenzen des Bundes mitverfolgen. An einer fiel der Satz, im Frühjahr gehe der Tunnel wieder auf, aber bis dahin werde es ein langer, dunkler Winter. Das wird es – auch mit Food Processor.



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