• Hanna Girard

Wie ich beinahe zwischen Buchstaben ertrank und Momo mich rettete


Illustration: Hanna Girard

Lesen. Lange Jahre war das für mich eine riesengrosse Herausforderung. Die O's, A's oder P's in meinem Schreibheft wollten sich in meinem Kopf einfach nicht zu Wörtern zusammensetzen. Ich habe gegen die seltsamen Formen gekämpft, mich gegen ihre Bedeutung gewehrt. Die Buchstaben verschluckten mein 8-jähriges Ich in einen Ozean aus stachelingen, piksigen Formen, bis ich zwischen den Zeilen beinahe ertank. Die Sommerferien auf Sardinien, ungefähr im Jahr 2006, haben alles verändert. Wochenlang brannte die Sonne so heiss auf die Erde, dass niemand tagsüber auch nur einen Schritt vor die Tür wagte. Meine ganze Familie versteckte sich in einem kleinen, braunen Bungalow im Schatten der alten Mauern: Alle mit einem Buch vor dem Gesicht. Auch auf meinem Nachttisch lag eines, doch ich verschmähte es, wich dem orangen Buchdeckel aus, beachtete es extra nicht. «Bloss nicht wieder Buchstabenwogen, bloss keine stacheligen Formen, die in meine Augen pieksen und mich zwischen den Seiten im Stich lassen», werde ich wohl gedacht haben.

Die Tage vergingen im Schneckentempo. Und immer häufiger linste ich zu meinem Buch hinüber. Irgendwann gab ich auf, kroch über den kalten Steinboden zum Nachttisch und griff nach dem Buch. Ich gab «Momo» eine Chance. Eine ganz kleine. Und irgendwie gab auch sie mir eine. An die anderen Tage auf Sardinien kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich war damit beschäftigt, gemeinsam mit Momo die Welt vor den grauen Herren zu retten.



Welches Buch war dein erstes? Weisst du es noch? Und welches willst du noch lesen? Du kannst dir die Illustration ausdrucken und dir eine Bücherliste anlegen oder sie auf deinem Handy abspeichern und als Bildschirmschoner verwenden.

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