• Johannes Runge

Zum Release von “Liebe & Anarchie” Staffel 2: Revue & Review

Als grosser Fan der schwedischen Serie “Liebe & Anarchie” (Originaltitel: "Kärlek & Anarki") habe ich mich über den Release einer zweiten Staffel sehr gefreut und die neue Staffel der Miniserie relativ pünktlich bereits durch gebinged. Wir werfen einen Blick zurück auf das Ausnahmewerk von Lisa Langseth und einen weiteren, teils vergleichenden Blick auf die neu erschienene Fortsetzung.


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Die erste Staffel von “Liebe & Anarchie” war für mich ein wirklich magisches Erlebnis.In der Serie geht es um Sofie (gespielt von Ida Engvoll), zweifache Mutter und Unternehmensberaterin, welche die Umstrukturierung eines Buchverlags übernehmen soll, der auch das Grundsetting für die ganze Geschichte bildet. Und es geht um Max (gespielt von Björn Mosten), den sehr jungen IT-Experten des Verlags. Was einmal damit anfing, dass Max beim Installieren von Technik Sofie mit seinen Bohrgeräuschen stört, entwickelt sich nach und nach zu einem Spiel zwischen den beiden. Sie stellen sich gegenseitig absurde Aufgaben und hinterfragen dabei grundlegende Strukturen der Gesellschaft. Das entwickelt sich nach und nach zu einem gewagten Flirt. Mehr verrate ich erstmal nicht.

Dabei bestachen mich die behandelten Thematiken und die moralische Botschaft, die so unfassbar elegant mit dem kreativen Plot verwoben wurde. Die eigentlich simple und oft erzählte Message “Sei, wie du bist!” wird durch die situativ dargestellten, ungeschrieben gelebten Regeln der Gesellschaft, ob in Büros, in Familien, oder an Apéros kontextualisiert. Schlussendlich wird uns dabei folgendes gezeigt: Die Abgestumpftheit der Menschen gegenüber Emotionen, verbunden mit dem Schrecken vor jeglichem Ausbruch aus Konventionen und jeglicher vermeintlichen Sinnlosigkeit um der Freiheit oder Freude Willen. Und die Hauptfiguren reagieren auf diesen Kontext mit Frustration, teilweise mit Akzeptanz, aber immer mehr mit Rebellion. Rebellion, in einem zivilisierten Rahmen wohlgemerkt, ist hier der springende Punkt. Unsere Hauptfigur macht genau den gewagten Sprung im Leben, den wir uns über die Serie hinweg wünschen, aber vielleicht auch in unserem eigenen Leben.

Hinzu kommt eine zurückhaltende Inszenierung mit einem ganz feinen, beinahe unmerklichen Touch von Mockumentary, wie Mensch ihn so wahrscheinlich noch nicht gesehen hat. Regisseurin Lisa Langseth konzentriert sich inszenatorisch ganz auf die Menschen vor der Kamera, allesamt fantastische Schauspieler*innen. Dadurch entsteht eine sehr authentische Grundatmosphäre. Genauso ist das Writing fokussiert auf die Figuren, ihre Eigenheiten und was sich daraus für abstruse Szenen und Plotpoints ergeben können. Das beginnt beim Setting, den Figuren, reicht bis hin zu den ersten Plotpoints und fulminiert in einem berührenden, dramatischen Finale, in dem mehr Schicksale als nur die der beiden Hauptfiguren beleuchtet werden.


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© Netflix

Klar ist nun natürlich, dass ich hohe Erwartungen hatte. Somit konnte es einer Fortsetzung auch nicht leicht fallen, diesen gerecht zu werden. Zumindest aber können sich Zuschauer*innen direkt zuhause fühlen. Altbekanntes wird fortgesetzt, wir können uns zurücklehnen und gespannt sein…

Doch wie lange? Nach den ersten paar Episoden fiel mir auf, dass diese zitronige Frische und vor allem das daraus resultierende saure Drama völlig ausblieben. Vielmehr ruht sich das Drehbuch nun ein wenig auf den bereits etablierten Zusammenhängen aus. Das ist durchaus unterhaltsam und bietet gehobenes Romcom-Heimkino, langweilte und enttäuschte mich allerdings ein kleines Bisschen. Mit fortschreitendem Tempo machen die Charaktere auch wieder Wandlungen durch, diese sind aber oft zu hastig im Gesamtbild platziert.



Fazit

Erst im gelungenen Finale tauchen Funken des Feuers von Staffel 1 auf. Momente, in denen wir meinen, die Figuren und ihre tiefsten Wünsche sowie vor allem ihren Blick auf das Leben und die Gesellschaft zu verstehen.

So fängt sich Staffel 2 nach einem zunächst klumpigen Aufbau am Ende wieder, darf gesamthaft wunderbar unterhalten und hat nach wie vor fantastische Figuren, gutes Schauspiel und eine angenehm subtile Inszenierung. Für Fans der ersten Staffel immer noch empfehlenswert. Für alle anderen: Schaut die kongeniale erste Staffel, deren Geschichte auch so stehengelassen werden kann.











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