• Jan Pulfer

Auf den Sockeln von Basel #6

Es ist ja nicht so, dass ich als «aus Solothurn Stammender» den Baslern vor den Kopf stossen will. Aber auch trotz meinen nostalgischen, mehr oder weniger schönen Erinnerungen an frühere Ausgangs-Endstationen (Steinegrill, Dürüm mit Sonnenaufgang), kann ich mittlerweile fast gar nichts mehr mit der Steinervorstadt anfangen. Und auch wenn es mir Leid tut, das einzugestehen, meine zeitweise böse Zunge hat einst sogar schon den Begriff «Un-Ort» plädiert. Seltsamerweise beheimatet der besagte Ort Kulturoasen des Basler Theaters, des Kultkinos und einige Museen im Rücken. Vorne raus dagegen findet man sich direkt im Schoss der Kriminalpolizei, der Staatsanwaltschaft, der Untersuchungshaft und leerstehender Immobilien. Tönt eigentlich nach einer spannenden Nachbarschaft, aber wenn ich genauer darüber nachdenke, bin ich dann eben doch froh, gibt es zwischen diesen zwei Welten noch kulturelle Knautschzone. Nichtsdestotrotz steht inmitten dieser zusammengewürfelten, nie stillstehenden Szene, eine riesige Polyesterplastik von Michael Grossert aus dem Jahre 1975. Entgegen ihrer Grösse eher unauffällig, aber knallbunt, sehr unförmig und ideal betitelt – «Lieu dit», was soviel bedeutet wie «ein Ort der einen Namen trägt». Es ist also doch ein Ort. Als Velofahrer*in kann man die Skulptur auf dem Heuwaageplatz von mindestens drei verschiedenen Perspektiven an- beziehungsweise vorbeifahren. Das ermöglicht einem – durch die vielseitige Betrachtungen – immer wieder neue Formen, Bewegungen und versteckte Räume zwischen den Skulptur-Elementen zu entdecken. Mit der Verschmelzung dieser drei «Blicke» habe ich versucht, die vielseitige Formensprache des Kunstwerks in einer Illustration darstellen.

Das Ergebnis gleicht der gegebenen Szenerie – man weiss nicht genau, was es ist und was jetzt damit gemacht werden soll. Aber ohne den «Lieu dit» ginge es der Stadt und mir sicher auch nicht besser.



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