• Johannes Runge

Kino Review: Dune

Direkt zum Release habe ich “Dune” von Dennis Villeneuve im Kino angeschaut. Nun kommt endlich auch die entsprechende Review. Als grosser Fan des Regisseurs von Arrival, Sicario und Blade Runner 2049 waren meine Erwartungen hoch bzw. versuchte ich, sie nicht ins Unermessliche zu treiben.















Das epische Kino der Neuzeit


Wenn es etwas gibt, das Villeneuves Kino aus den heutigen Standards hervorstechen lässt, dann ist es seine langsame Erzählweise. Er hat keine Angst, ein kraftvolles Bild aussprechen zu lassen und nimmt sich die nötige Zeit, um eine dichte Atmosphäre entstehen zu lassen.


Diese Eigenheit war schon bei der Blade Runner Fortsetzung von 2017 sehr spürbar. Dies gestaltete sich als ein audiovisuelles Fest in einer bekannten aber modern um- und fortgesetzten Welt. Auch der neue Bond “No Time to Die” schien mir davon inspiriert, wie ich in der dazugehörigen Review bereits erwähnt habe.


Die Unverbrauchtheit des Settings, zumindest im populären Blockbusterkino, hob Dune für mich persönlich von Blade Runner 2049 ab. Eindeutig handelt es sich hier aber um völlig andere Filme, bis auf die von mir erwähnten formalen Parallelen. Daher fokussieren wir uns nun ganz auf Villeneuves neuesten Streich.


Worldbuilding


Bild von Viral-Illustrator Jan Pulfer

Dune basiert auf dem gleichnamigen Roman (genauer nur der ersten Hälfte des Buches) aus dem Jahr 1965 von Frank Herbert und ist somit mindestens als Zweiteiler geplant. Die Fortsetzung hat bereits grünes Licht von Warner Bros erhalten. Mehrmals verfilmt wurde die Geschichte ebenfalls: 1984 als Spielfilm des für seine surrealen Filme bekannten Regisseurs David Lynch und als Miniserie im Jahr 2000. Mehr zu den Hintergründen eines zudem gescheiterten Mammutprojekts zwecks der Verfilmung des Buches hat die bei SRF Kultur tätige Viral Redakteurin Melissa Varela bereits in einem Video beleuchtet: https://www.instagram.com/p/CT5HuL9L9Dz/


Ich habe weder die Bücher gelesen noch die älteren Verfilmungen gesehen. Somit hatte ich das Privileg, in eine völlig neue Welt abtauchen zu dürfen. Und genau dieses Gefühl konnte mir dieser Film auf der Leinwand unvergleichlich vermitteln. Ich fühlte mich daran erinnert, Filme wie Lord of the Rings oder Star Wars zum ersten Mal zu sehen. Neue Bilder und Klänge, Eindrücke und vor allem Fragen zur Welt zogen mich wie ein Sog in das Kinoerlebnis. Wer ist diese Fraktion, woher kommen sie und was verstecken sie? Warum passiert dies und jenes? Wo könnte die Reise noch hingehen?


Die erste halbe Stunde von Dune ist in meinen Augen eine der märchenhaftesten und eindrücklichsten Kinopassagen der letzten Jahre. Dies ist nicht zuletzt Hans Zimmers mystischem Soundtrack und dem unfassbar beeindruckenden Produktionsniveau zu verdanken. Die einzigartigen Kostüme und Setpieces sind faszinierend und gross (der Film hat 165 Millionen US Dollar gekostet). Aber besonders Villeneuves Disziplin, uns langsam eintauchen zu lassen, führt uns zu diesem immens immersiven Erlebnis. "Dune", dessen Trailer durch bombastische Actionszenen das grosse Publikum erfolgreich anlocken konnte, lässt mit diesen Feuerwerken im fertigen Film erst einmal lange auf sich warten. Und das ist gut so.


Jedes einzelne Bild fühlt sich, wenn man sich den Film im Kino anschaut, enorm mächtig an. Und dabei sind die Bildabfolgen absolut aus einem Guss. Nichts reisst einen aus dem Geschehen, man wird weiter und weiter hinein gezogen wie in einen Sandsturm. Dies dachte ich schon bei Blade Runner 2049 und kann ich hier nur noch extra unterstreichen: Diese Art von Blockbusterkino möchte ich in der heutigen Zeit mehr erleben dürfen und ich bin Villeneuve dankbar, dass er seine Macht in Hollywood dafür nutzt.


Ein Prolog


Dune ist mit einer Laufzeit von 155 Minuten natürlich bereits sehr lang. Dennoch kann ich nach dem Gang ins Kino tatsächlich sagen, dass dabei trotzdem nicht vollkommen das Gefühl eines klassischen dreiaktigen Actionfilms rüberkommt.


Ich sehe dies nicht als negativ, sondern als sehr interessant. Wo ein anderer Film dieser Art am Ende alle grossen Plotauflösungen und Showdownmomente kulminieren lassen würde, funktioniert Dune etwas anders. Die grossen Showdownmomente passieren teilweise schneller und früher als gedacht und werden weniger ausgekostet als die Einführungsmomente des Films. Gleichzeitig wird gegen Ende der Erzählung klar, dass viele der grossen Dinge, die bereits zu erahnen sind, nicht vor dem nächsten Teil zum tragen kommen werden.


Somit fühlt sich Dune trotz seiner Laufzeit in vielerlei Hinsicht wie ein Prolog an, was der Film im Grunde auch ist. Ein umso mächtigeres Gefühl wird hier über das Universum an sich vermittelt, war dieser Film mutmasslich doch am Ende nur der Anfang von etwas Grossem. Ich freue mich bereits sehr auf die Fortsetzung.



Tropfen auf dem heissen Stein
















Ist der Film meinen Erwartungen gerecht geworden? Grösstenteils tatsächlich ja. Kritikpunkte gibt es dennoch (wie bei jedem Film):

Zum einen konnte für mich die zweite Hälfte des Film mit der Faszination des Anfangs rein als Erlebnis nicht mithalten. Die Gesamterzählung blieb für mich dennoch gelungen.

Zum anderen hat der Film mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wie wahrscheinlich jeder Fantasy oder Science Fiction Film. Exorbitante Expositionen sind nun einmal nötig, um dem Zuschauer eine völlig neue Welt vorzustellen, während eine Geschichte erzählt wird. Ich hätte mir dies eleganter gewünscht, wo es zum Beispiel manchen Dialogen an Stilsicherheit fehlt. Auch die kurzen humoresken Oneliner-Ausflüge des Writings rissen mich am ehesten raus und brachten mich allenfalls zum gewollten Schmunzeln. Ich hätte darauf verzichten können, besonders da ich die Ernsthaftigkeit des Films sehr genoss.

Hier könnte für einige Zuschauer wiederum das Hauptproblem des Films liegen: Der Fokus aller Komponenten des Kinostreifens wird auf seine Bedeutungskraft, Epik und Atmosphäre gelegt. Dabei geraten Charaktere und Spannungskurve teilweise in den Hintergrund. Mich persönlich hat es nicht wirklich gestört, da ich das Erlebnis an sich enorm zu schätzen wusste.



Fazit


Dennis Villeneuve bereichert das moderne Kino abermals mit grossen Visionen, brillantem Handwerk und reifem Erzählen. Wie erwähnt: solche Blockbuster wünsche ich mir. Insofern kann ich mich nur der Mehrheit anschliessen und mich auf die Rückkehr von Timothy Chalamee, Zendaya und dem Rest des brillanten Casts freuen!

2023 ist es nach bisherigen Angaben bereits soweit.






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